Unsere Ernährung in den fünf Wandlungsphasen

Das Element Holz – Die Jahreszeit Frühling – Das kleine Yang

Das Streben nach einem gesunden, recht langen Leben war die Grundlage für die chinesische Weltanschauung und die kulturelle Entwicklung Chinas. Eine der daraus folgenden Errungenschaften war die Traditionelle Chinesische Medizin, welche die Pflege des menschlichen Lebens und die Bewahrung seiner Lebensumstände zum Anliegen hat. Vorbeugen gilt als deren oberstes Gebot, womit Diätetik und Bewegung ins Augenmerk gelangen.

Das Prinzip dieser Weltanschauung beruht auf übergeordneten Wandlungsphasen, welche sich in den Sinnen und Organen des Menschen widerspiegeln. Das Element Holz entspricht in diesen Wandlungsphasen dem Frühling, dem Morgen, dem Keimling der Pflanzen sowie dem jungen Menschen. Wir ordnen ihm eine innewohnende, nach oben strebende Kraft zu. Ähnlich wie jeder Tag am Morgen frisch und entspannt beginnt, sprießen Keimlinge in dieser Jahreszeit aus der Erde. Entsprechend beleben sich im Menschen neue Ideen, Entschlusskraft und Durchsetzung. Dabei hilft es flexibel und geschmeidig zu bleiben, so wie die aufkeimende Natur vom lauen Frühlingswind bewegt wird.

Die Farbe des Elementes Holz ist grün, der Geschmack ist dem Sauren zugeordnet, die Emotion ist der Zorn und die Organentsprechungen finden sich in Leber und Gallenblase wieder. Mit Ernährung und Bewegung können wir das Holz und seine innewohnende Energie unterstützen und zu einer positiven Entfaltung verhelfen.

Insofern sollten wir unsere Lebens gewohnheiten nach dieser Jahreszeit ausrichten. Früh aufstehen, später zu Bett gehen und sich viel Bewegung an frischer Luft verschaffen. Ziel ist es, Holz1 der eigenen Yang Energie, die in dieser Jahreszeit wieder im Wachsen begriffen ist, mehr Raum zu geben. Aus der Ruhe des Winters, dem großen Yin (dem Rückzug nach innen), gilt es jetzt wieder mehr nach außen zu gehen, Ideen entstehen zu lassen, etwas Neues auszuprobieren, aktiv zu werden. Unterdrücken oder behindern wir diese Entwicklung, wird die Leberenergie beeinträchtigt. Flexibilität und Beweglichkeit sind gefragt. Dafür brauchen wir genügend Blut und Säfte, um diese Energie geschmeidig und weich zu halten. Ist davon zu wenig da, entwickeln sich Muskelkrämpfe, die Sehnen werden hart. Gestaute Leberenergie zeigt sich auch in Kopfschmerzen oder anderen Schmerzen, die im Körper wandern können.

Auch wenn die ersten Sonnenstrahlen uns in leichte Kleidung locken, ist es besser, in der ersten Zeit noch warme Sachen zu tragen. Nach dem Winter und dem Aufenthalt in beheizten Wohnräumen braucht der Körper Zeit sich umzustellen, er verliert nur langsam seine Anfälligkeit. Dadurch entstehen Erkältungen im Frühjahr. Im Gegensatz zum Herbst, da hat der Körper noch genügend Wärme gespeichert und kann die Kälte besser abwehren.

Auch die Ernährung sollte sich jetzt auf den Frühling einstellen. Da wir uns im Winter häufiger üppig und fettreich ernährt haben, ist es an der Zeit, leichte und frische Speisen zu uns zu nehmen.

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Um die Holzenergie zu nähren und beweglich zu erhalten, helfen uns warme, gekochte Speisen aus Gemüse und Getreide, sowie Blattsalate und Sprossen. Geschmacklich sollten die Lebensmittel neutral sein, nur etwas süß und nur leicht bitter. Ungünstig wären Kombinationen mit fett-süßem oder fett-salzigem Geschmack.

Zum Aufbau und zur Mobilisierung der Körpersäfte wird das Gemüse gedünstet, blanchiert oder gedämpft.

Mit erfrischenden Kräutern, Blattsalat und Sprossen, lassen sich die Speisen gut ergänzen.

Passend für diese Jahreszeit

Gemüse

Karotten, Spinat, Tomaten, Kohlsorten (Brokkoli, Kohlrabi, Chinakohl, Spitzkohl, Blumenkohl), Mangold, Spargel, Rote Beete, Pilze, grüne Blattsalate, Ruccola, frische Kräuter, Sprossen, Kartoffeln, Auberginen, Fenchel, Staudensellerie, grüne Bohnen.

Früchte

Beeren füllen den Körper auf, besonders wenn wir sehr erschöpft sind. Süß- säuerliche rote Beeren nähren das Blut. Maulbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, chinesische Bocksdornfrüchte.

Getreide

Hafer, Langkornreis, Gerste, Dinkel, Hirse, Buchweizen, Quinoa.

Nüsse und Samen

Erdnuss, Sesam, Sesammus, Pinienkerne.

Teesorten

Pfefferminze, Hagebutte, grüner Tee, Kamille, grüner Hafertee.

Die Frühjahrsmüdigkeit ist eine Reaktion des Körpers auf die sich verändernden Lebensumstände – sie erfordern Kraft, die wir zunächst noch nicht haben. Daher sollten wir uns langsam anpassen und nicht dagegen arbeiten. Leichte Übungen am Morgen sind hilfreich, besonders die Meridianübungen und Qi Gong, sowie Bewegung an frischer Luft, um die Seele durch das entstehende Grün zu erfreuen und den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Zudem sind Selbstmassagen, wie mit den gekrümmten Fingern die Haare zu kämmen, den Kopf zu massieren, mit den Handflächen das Gesicht zu waschen oder die Füße zu massieren, gut geeignet, unseren Schwung wiederzubeleben.

Lebermassage

Aufrecht und schulterbreit stehen, die Augen locker schließen und sich auf den Bereich der Leber konzentrieren.

Handteller übereinander legen. Frauen nehmen die linke Hand zuunterst, Männer die rechte. Zunächst im Uhrzeigersinn die Gegend sanft massieren, anschließend die Richtung ändern. Langsam 20-30 mal kreisen. Nach der Massage die Hände noch liegen lassen und in der Konzentration verharren. Bewusst atmen, beim Einatmen den Druck verstärken, beim Ausatmen locker lassen. Diese Massage kann genauso gut im Liegen ausgeführt werden.

Auch eine kleine Wärmflasche auf die Lebergegend wirkt entspannend und entgiftend.

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Zum Abschluss noch ein kleines Frühjahrsrezept zum Ausprobieren.

Quinoa-Spinat-Salat mit gerösteten Pinienkernen (nach: L.Hark, D.Deen, Neue Vollkornküche, Dorling Kindersley, München 2007)

Zutaten für 2 Personen

Quinoa 140  g
Zitronensaft 1  El
Olivenöl 3  El
Junger Spinat (oder Mangold) 60  g
Frühlingszwiebeln 3   
Kirschtomaten 60  g
Minze od. Basilikum 3  El
Pinienkerne geröstet 3  El

Zubereitung

Den gut abgespülten Quinoa mit 475 ml Wasser zum Kochen bringen und bei mittlerer Temperatur zugedeckt etwa 15 Min. kochen lassen. Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt noch 5 Min. stehen lassen.

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Inzwischen Zitronensaft, Öl und Salz in einer großen Schüssel mischen. Das heiße Getreide dazu geben, alles vermengen und abkühlen.

Das abgekühlte Getreide mit Spinat, Frühlingszwiebel, Tomaten und Kräutern mischen. Zum Abschluss die gerösteten Pinienkerne darüber streuen.

Schmeckt auch sehr gut mit Gerste, Hirse oder Cous Cous.



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Beate Waldow

Präventologin und Ernährungsberaterin für Chinesische Heilernährung

http://www.praevention-lebensbalance.de